Eine kurze Erklärung, warum es so effektiv wirkt

Direkte Entladung gespeicherter Spannung
Chronischer Stress und traumatische Erlebnisse können überschüssige Energie in Muskeln und Faszien „einschließen“. Neurogene Zitter-Übungen ermöglichen eine körperliche Freisetzung dieser angestauten Spannung und verhindern, dass sich Stress dauerhaft im Körper festsetzt.
Förderung der autonomen Selbstregulation
Indem man den natürlichen Zittermechanismus des Körpers nutzt, kann das Nervensystem leichter vom Kampf-Flucht-Starre-Modus (Sympathikus) in den Ruhe- und Entspannungsmodus (Parasympathikus) wechseln. Das beschleunigt und verbessert die Fähigkeit zur Selbstregulation (Stress, Emotionen, Verspannungen).
Vervollständigung des biologischen Stresszyklus
Da Menschen heutzutage seltener mit rein physischen Bedrohungen (z. B. Raubtieren) konfrontiert sind, fehlt oft die körperliche Entladung von Stresshormonen. Durch neurogenes Zittern wird dieser natürliche Entladungsprozess nachgeahmt, sodass Ängste und Anspannung nicht im Körper verweilen. Was sind heutige Stressoren? Arbeitslast und sozialer Druck. Beides verweilt eher chronisch in unseren Leben, sodass es zusätzlich wichtig ist, diesem nicht endenden Kreislauf immer wieder selbst ein Ende zu setzen.
Verbesserung der Neuroplastizität
Lang anhaltender Stress kann neuronale Schaltkreise so verändern, dass der Körper immer schneller in Alarmbereitschaft gerät. Zitter-Techniken helfen, diese Muster neu zu kalibrieren und unterstützen so gesündere Reaktionsweisen und mehr Resilienz.
Schnellere Ergebnisse durch Bottom-up-Ansatz
Während herkömmliche Gesprächstherapie oftmals „top-down“ (vom Kopf her, bewusstes Denken) ansetzt, beginnen Zitter-Übungen im Körper („bottom-up“). Dies führt häufig schneller zu spürbaren Veränderungen in Bezug auf Stress und Wohlbefinden, da der gesamte Organismus diese Interaktion als viel weniger bedrohlich wahrnimmt und daher eher zulässt.
Auswirkungen auf zentrale Hirnregionen
Neurogenes Zittern kann vermutlich übermäßige Aktivität in der Amygdala – dem Zentrum für Angst- und Stressverarbeitung – regulieren und damit die Kommunikation mit dem rationalen Präfrontalen Kortex verbessern. Auch der Hippocampus, zuständig für Gedächtnis und Lernen, profitiert von einer beruhigten Amygdala. So werden auch weniger häufig Stresshormone wie Adrenalin und Corstisol ausgeschüttet.
Einfluss auf den Hirnstamm
Der Hirnstamm (insbesondere die Formatio reticularis) steuert Erregung, Muskeltonus und Reflexe im Zusammenhang mit Kampf oder Flucht. Bei chronischem Stress bleibt er oft in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft. Neurogenes Zittern unterstützt die Entladung überschüssiger Energie, senkt Überaktivität und hilft, das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederherzustellen.
Oft kann man übrigens diesen Prozess im Tierreich beobachten: wenn ein Beutetier einem Raubtier entwischt, schüttelt es sich danach oft unkontrolliert.